Wir sind Franziskanerinnen und leben aus dem Evangelium, wie es uns die franziskanisch-klareanische Spiritualität erschließt. Wir suchen Gott als Frauen von heute und versuchen aufmerksam für die Zeichen der Zeit zu sein. Wir wollen entdecken, wie Gott uns durch die Wirklichkeit anrührt und wo wir als Franziskanerinnen gefragt sind, damit die Welt ein Stück lebensdienlicher und menschenfreundlicher wird, weil Christus gekommen ist, dass alle das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10,10).
Das findet für uns in der Lebensform der Gelübde einen verbindlichen Ausdruck und konkretisiert sich in den Grundmomenten der Contemplatio (Gottessehnsucht), der Compassio (Sich vom Anderen berühren lassen) und der Communio (Gemeinschaft). Es ist uns wichtig, das in Formen zu tun, die jeder und uns als Gemeinschaft helfen, sich zu entfalten, zu wachsen und zum Leben zu kommen, so wie der lebendige Gott es uns zugedacht hat.
Gottessehnsucht - Dimension der Contemplatio
Die Dimension der Contemplatio zu leben, heißt für uns:
- dem lebendigen Gott, in unserem konkreten Leben und Alltag Raum zu geben;
- sich vom "Deus semper minor", dem immer kleineren Gott, prägen zu lassen;
- ihn zu feiern im gemeinsamen und persönlichen Beten;
- hörenden Herzens darauf achtend, das in einer "Sprache" zu tun, die die Menschen von heute verstehen;
- Gott zu suchen mitten unter den Menschen und mit ihnen Leben und Glauben zu teilen.
Sich vom Anderen berühren lassen - Dimension der Compassio
Die Dimension der Compassio zu leben, bedeutet für uns, unter den Bedingungen der Menschen zu leben: Das heißt,
- die "Welt als unser Kloster zu verstehen" und mitten unter den Menschen zu leben;
- anfragbar zu sein und zu bleiben;
- in unterschiedlichen Tätigkeitsgebieten zu arbeiten gemäß unseren Talenten, Fähigkeiten und Grenzen;
- einen einfachen Lebensstil zu leben, in Gütergemeinschaft, offen, das Wenige, das wir haben, zu teilen.
Gemeinschaft - Dimension der Communio
Die Dimension der Communio zu leben, heißt als geistliche Gemeinschaft zu leben im Raum der katholischen Kirche,
- verwurzelt in Gott,
- einander Schwestern seiend, offen füreinander und die Not anderer, offen für Menschen, die sich uns anschließen wollen, um ihre Gottessehnsucht in einer verbindlichen Lebensform zu verorten;
- glaubend, dass Gott auch heute Menschen ruft und dass wir deshalb herausgefordert sind, nach Formen zu suchen, in denen sich dieses Leben der Nachfolge so gestalten kann, dass ein "Mehr" an Leben möglich wird;
- unsere Bruchstückhaftigkeiten annehmend und hoffend, dass Gott das Ganzwerden schenkt;
Insgesamt zeigt sich das für uns in dem Wort:
"Magis in te - magis pro hominibus" - Immer mehr in dir - immer mehr für die Menschen
bzw.
"Ex contemplatione mundum creare" - Aus der Gottesbegegnung Welt gestalten
Diese Perspektive macht uns als Franziskanerinnen aus und charakterisiert uns.